Oktober 2025
Jack Heyman spricht auf internationaler Hafenarbeiterkonferenz
Europäische
Hafenarbeiter rufen zu Streikaktionen auf, um
Waffenlieferungen zu stoppen

Gewerkschafter der CGIL blockieren gemeinsam mit der USB, SI Cobas und anderen Basisgewerkschaften am 3. Oktober, während des „Generalstreiks für Gaza”, den Hafen von Genua. (Foto: Emanuela Zampa / Getty Images)
8. OKTOBER 2025 – Am Freitag und Samstag, dem 26. und 27. September, fand in Genua, Italien, ein Treffen europäischer Hafenarbeiter statt, um gemeinsame Aktionen unter dem Motto „Hafenarbeiter arbeiten ni cht für den Krieg“ zu besprechen. Das Treffen knüpfte an die jüngsten Aktionen von Hafenarbeitern in Marokko, Frankreich, Italien und Griechenland an, die Waffenlieferungen für Israels Genozid-Krieg gegen Gaza blockiert hatten. Es wurde von der Unione Sindacale di Base (USB) einberufen, einer der größeren „Basisgewerkschaften“ in Italien mit Ablegern in mehreren Häfen, darunter die CALP (Autonomes Kollektiv der Hafenarbeiter) in Genua. Die Liga für die Vierte Internationale war vertreten durch Jack Heyman, langjähriger Hafenarbeiter und Aktivist im Bereich der Seefahrt, sowie pensioniertes Mitglied der Gewerkschaft International Longshore and Warehouse Union (ILWU) an der Westküste der USA, der am zweiten Tag vor der Versammlung sprach und Solidaritätsgrüße der ILWU Ortsgruppe 10 sowie eine Botschaft des internationalen Klassenkampfs gegen die imperialistischen Kriegstreiber und zionistischen Schlächter überbrachte.
In den Tagen vor dem Treffen, am Dienstag, dem 22. September, riefen die USB und andere Basisgewerkschaften zu einem „Generalstreik für Gaza“ auf. Der Streik war gewaltig: Berichten zufolge nahmen eine Million Menschen an Protesten in ganz Italien teil; die wichtigsten Häfen wurden geschlossen, Bahnlinien wurden bestreikt, Autobahnen blockiert und die Plätze waren voller Menschen (siehe „Massenstreik für Gaza legt Italien lahm: Für einen internationalen Streik, um den Völkermord der USA und Israels in Gaza zu stoppen!“). Die Gewerkschaften schworen, erneut zu streiken, sollte Israel die Global Sumud Flotilla angreifen, was es am Abend des 1. Oktober auch tat und dabei Hunderte von Freiwilligen festnahm, die Hilfsgüter nach Gaza bringen wollten. Sofort gingen Demonstranten in ganz Italien auf die Straße. Am 3. Oktober fand ein weiterer „Generalstreik“ statt, diesmal ausgerufen von allen Basisgewerkschaften und der CGIL, dem größten Gewerkschaftsverband, was zuvor beispiellos war.
Der pro-palästinensische Massenstreik am 3. Oktober war mit etwa 2 Millionen Demonstranten in 100 Städten noch größer als der am 22. September. Erneut wurden Häfen geschlossen, Eisenbahnlinien und Autobahnen blockiert. Die faschistische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Vorsitzende der rechten Koalitionsregierung, tat den „Pro-Pal“ Streik als „langes Wochenende“ ab. Verkehrsminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega drohte erneut mit einer „Regulierung” des Streikrechts. Aber die „menschliche Welle für Gaza” (Il Fatto Quotidiano, 4. Oktober) war so massiv und voller junger Demonstranten (der „Gaza-Generation”), dass Beleidigungen und Drohungen die Wut auf die Regierung nur noch verstärkten. Am nächsten Tag versammelten sich auf Aufruf mehrerer palästinensischer Gruppen hin eine Million Protestierende zu einer nationalen Solidaritätsdemonstration für Gaza in den Straßen Roms, angeführt von Palästinensern, gefolgt von den militanten Gewerkschaften.
Ankündigung des Treffens
europäischer Hafenarbeiter.An der Hafenarbeiterkonferenz vom 26. bis 27. September nahmen neben Hafenarbeitern aus Civitavecchia, Genua, Livorno und Triest in Italien auch Delegationen und Vertreter der französischen Hafenarbeitergewerkschaft CGT, der griechischen Hafenarbeitergewerkschaft ENEDEP, der baskischen Gewerkschaft LAB, der slowenischen Hafenarbeitergewerkschaft SZPD sowie Vertreter aus Zypern und Hamburg und spanische Beobachter des Europäischen Hafenarbeiterrats teil. Die Gewerkschaft ODT in Tanger, Marokko, und die Hafenarbeitergewerkschaft Liman İş in der Türkei konnten an der Versammlung nicht teilnehmen, da die italienische Regierung ihnen die Visa verweigert hatte. Francesco Staccioli von der USB berichtete am zweiten Tag der Versammlung, dass man sich auf ein gemeinsames Dokument geeinigt habe und „wir nun in naher Zukunft einen international koordinierten Streik anstreben”. Die Versammlung begrüßte die jüngsten Aktionen, mit denen Schiffsladungen an der US-Militärbasis Camp Darby in Taranto und Ravenna gestoppt wurden.
Die Liga für die Vierte Internationale hat von Anfang an aufgerufen, „Verteidigt die Palästinenser gegen den völkermörderischen Krieg von USA/Israel gegen Gaza!“ (10. Oktober 2023) und insbesondere zu „Arbeiteraktionen gegen Waffenlieferungen an Israel und die Ukraine“. Viele Linke und Gewerkschaftsaktivisten sehen Arbeiteraktionen als Teil einer Volksfront-„Antikriegsbewegung“, die auf Pazifismus und einem Reformismus basiert, der Butter statt Kanonen fordert und auf einen Waffenstillstand abzielt. Die Flottille umfasste Vertreter der Fünf-Sterne-Bewegung und der Demokratischen Partei, die Säulen des italienischen Imperialismus, und wurde von Kriegsschiffen der NATO-Mitglieder Spanien, Italien, Griechenland und der Türkei eskortiert (bis zum letzten Moment, als sie sich zurückzogen, um Israel seine schmutzige Arbeit machen zu lassen). Im Gegensatz dazu hat die LVI betont, dass „klassenbewusste Arbeiter versuchen müssen, ihre proletarische Macht zu nutzen, um die zionistischen Besatzer aus Gaza und dem Westjordanland zu vertreiben“, einschließlich Aufrufen für „Massenstreiks gegen die imperialistischen Herrscher“.
Jack Heyman‘s Rede wurde gut aufgenommen, insbesondere als er über die Aktionen der ILWU gegen die Apartheid in Südafrika im Jahr 1984 und den Streik am 1. Mai 2008 berichtete, bei dem alle Häfen an der Westküste der USA aus Protest gegen die imperialistischen Kriege der USA in Afghanistan und im Irak geschlossen wurden. Er sprach auch die Spaltungen innerhalb der Gewerkschaften an, die von den prokapitalistischen Bürokratien gefördert werden und die Solidaritätsaktionen von Gewerkschaften weltweit behindert haben. In Italien organisieren sich die militanten „Basisgewerkschaften“ (sindacati di base) getrennt von den bürokratisierten Gewerkschaftsverbänden (CGIL, UIL, CISL) und rufen jeweils eigene „Generalstreiks“ aus. Doch während die Verbände sich den arbeiterfeindlichen Gesetzen Italiens völlig unterwerfen, berufen sich alle auf die „Antikriegsklausel“ (Artikel 11) der italienischen (bürgerlichen) Verfassung und auf das Gesetz 185/1990, Artikel 1, §6(a) gegen den Export von Waffen in Kriegsgebiete, die im Grunde genommen nur auf dem Papier bestehen.
Heyman‘s Äußerungen fanden bei einigen Teilnehmern der Versammlung großen Anklang, wie Pietro Barabino in seinem aufschlussreichen Bericht in Il Fatto Quotidiano (28. September), einer linkspopulistischen Tageszeitung, berichtet:
„Ein US-Hafenarbeiter ergriff ebenfalls das Wort und streute Salz in die Wunde der Gewerkschaftsspaltungen: ‚Wir mögen getrennt marschieren‘, paraphrasierte er Lenin, ‚aber am Ende müssen wir gemeinsam streiken.‘ Er schien kein Neuling zu sein und zitierte Bewegungen, die den Krieg hätten verhindern können, wären sie nicht in grotesken Streitigkeiten zwischen Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten und England versunken. Die Bemerkung löste eine Reaktion eines CGIL-Mitglieds aus, das im ,USB-Haus‘ das Wort ergriff, um die umstrittene Entscheidung seiner Organisation, sich nicht am Generalstreik vom vergangenen Montag [22. September] zu beteiligen, zu beschönigen: ‚Dank des Drucks unserer eigenen Mitglieder haben wir mit der Flottilla eine operative Vereinbarung mit den Basisgewerkschaften über eine gemeinsame Mobilisierung für den nächsten Generalstreik im Falle einer Blockade der humanitären Mission erzielt.‘“
Genau das ist am 3. Oktober zum ersten Mal seit Menschengedenken geschehen, wenn überhaupt jemals zuvor. Die jüngsten Massenstreiks und millionenstarken Mobilisierungen unter der Führung italienischer Arbeiter – zusammen mit den Aktionen griechischer, marokkanischer und französischer Hafenarbeiter – sowie das Treffen der Hafenarbeiter in Genua, die versuchen, Waffenlieferungen, insbesondere an die zionistische Völkermord-Kriegsmaschine, zu stoppen, können ein Funke sein. Wie Demonstranten der Internationalist Group in der San Francisco Bay Area bei einer Solidaritätskundgebung für Gaza am 5. Oktober skandierten: „Italian workers showed us how, workers arms embargo now!“ („Italienische Arbeiter zeigten uns den Weg: Waffenlieferstopp und zwar jetzt!“)

Jack Heyman (Mitte) mit Hafenarbeitern aus Genua vor dem Treffen der europäischen Hafenarbeiter, um Kriegsfracht zu stoppen. (Foto: L'internazionalista)
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Rede von Jack Heyman vor der
Versammlung der europäischen Hafenarbeiter
Guten Tag, Genossinnen und Genossen, mein Name ist Jack Heyman. Ich bin hier im Namen der International Longshore and Warehouse Union von der Westküste Amerikas. Ich bin hier, um Solidaritätsgrüße aus dem kämpferischsten Hafen der Vereinigten Staaten von Amerika zu überbringen. 1984 haben wir elf Tage lang gegen ein Schiff aus dem Apartheid-Südafrika gestreikt. Nelson Mandela war im Gefängnis, als wir 1984 unseren Streik koordinierten. Sechs Jahre später, 1990, unternahm er eine Weltreise. Er machte Halt in Oakland, Kalifornien, und seine ersten Worte waren: „Ich lobe die Hafenarbeitergewerkschaft für ihren Streik gegen das Schiff aus Südafrika. Eure Aktion hat die Anti-Apartheid-Bewegung in Kalifornien ausgelöst.“ [Beifall]
Im Jahr 2008 führten wir einen historischen Streik an der Westküste durch. Wir legten alle Häfen in Kanada und den Vereinigten Staaten lahm, um ein Ende der imperialistischen Kriege im Irak und in Afghanistan zu fordern. [Beifall] Diese historische Aktion kam zustande, weil ich in Zusammenarbeit mit der Liga für die Vierte Internationale in unserer Ortsgruppe einen Antrag stellte, der einstimmig angenommen wurde, alle Häfen an der Westküste zu schließen. Dem folgte die Mavi Marmara1-Flottilla, die Freedom Flotilla, nach Gaza, ähnlich der Flottille, die jetzt unterwegs ist. Die israelische IDF [Armee] griff diese Flottille an und ermordete neun der humanitären Helfer. Unmittelbar nach diesem Angriff organisierten wir einen Protest gegen das nächste Schiff der israelischen Reederei ZIM, das in unseren Hafen einlief. Um fünf Uhr morgens versammelten sich zweitausend Menschen im Hafen und stoppten die Arbeit auf dem ZIM-Schiff. [Beifall] Ich möchte meinen Genossen von der Palästinensischen Allgemeinen Gewerkschaftsvereinigung mitteilen, dass seit 2014 keine Schiffe der ZIM Linie mehr in den Häfen von Oakland und San Francisco anlegen – wir haben das beendet. [Beifall]
Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Allgemeine Palästinensische Gewerkschaftsbund eine Erklärung, in der es hieß: „Worte reichen nicht aus, um unseren Kampf zu unterstützen. Wir brauchen Arbeiter, insbesondere in den Häfen, die sich weigern, Militärgüter für Israel zu transportieren.“ Es gab viele schön klingende Erklärungen von Gewerkschaftsbürokraten. Aber die Arbeiter in ihren Gewerkschaften wurden nicht zum Handeln aufgerufen. Das ist Heuchelei seitens der Gewerkschaftsbürokraten. Insbesondere in einem Land wie Großbritannien, aber auch in den Vereinigten Staaten, dem Hauptlieferanten von Kriegsmaterial für das zionistische Völkermordregime.
In jedem wichtigen Kampf der Gewerkschaftsbewegung ist es immer die Gewerkschaftsbürokratie, die die Basis davon abhält, aktiv Maßnahmen zu ergreifen. Ich verstehe, dass es in Italien mehrere Hafenarbeitergewerkschaften gibt, die aus verschiedenen Gründen unterschiedliche Standpunkte vertreten. Aber wir müssen die Hafenarbeiter nicht nur in Italien, sondern in den westeuropäischen Ländern, der EU (Europäische Union) und in den Vereinigten Staaten vereinen. Wir müssen uns den Gewerkschaftsbürokratien widersetzen, um die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um Militärfracht zu stoppen. Wir müssen sie als „heiße Fracht“ bezeichnen. Ihr weigert euch, heiße Fracht nach Israel zu transportieren. Was wir tun müssen, ist, alle Hafenarbeiter zu vereinen. Und Lenin hat es am besten ausgedrückt: Er sagte, marschiert getrennt, ihr habt eure eigenen Gewerkschaften, aber lasst uns gemeinsam streiken (schlagen). Lasst uns gemeinsam streiken, um Israel davon abzuhalten, seinen Genozid-Krieg gegen das palästinensische Volk fortzusetzen. [Beifall]
Neben dem Kampf innerhalb der Gewerkschaften gibt es einen breiteren politischen Kampf. Wir müssen die Führungen in der gesamten EU und in den Vereinigten Staaten ersetzen, den imperialistischen Ländern, die die zionistische Maschinerie in Israel unterstützen. Lasst mich abschließend sagen: Der einzige Weg, diese imperialistischen Regime zu stürzen, sind erstens koordinierte Streiks, und zweitens müssen wir uns auf den Aufbau einer revolutionären Arbeiterpartei in den Industrieländern zubewegen. Ich bin ein Unterstützer der Zeitung L’internazionalista,2 in der ihr das, was ich zu sagen habe, ausführlicher nachlesen könnt. Aber lasst mich abschließend sagen: Alle Macht der internationalen Arbeiterklasse![Beifall] ■
