Januar 2026
Angeklagt für Gewerkschaftsblockade von Militärfracht an Israel
Verteidigt den Präsidenten der griechischen Hafenarbeitergewerkschaft, Markos Bekris

Griechische Hafenarbeiter blockieren Container mit Munition für Israel, 15. Oktober 2024. Ein Jahr später geht Griechenland wegen dieser mutigen Aktion gerichtlich gegen einen Gewerkschaftsführer vor.
(Foto: PAME)
In der Nacht des 17. Oktober 2024 blocckierten Hafenarbeiter im griechischen Hafen Piräus die Verladung eines Containers mit 21 Tonnen Munition auf ein Schiff der israelischen Reederei ZIM Lines mit Ziel Haifa. Die Arbeiter sprühten die Parolen „Mörder raus aus dem Hafen!“ und „Freiheit für Palästina!“ auf die Container. Die Blockade erregte weltweites Aufsehen. Wir veröffentlichten einen Artikel in The Internationalist, in dem wir die mutige Aktion der Hafenarbeiter von Piräus als Musterbeispiel für den Aufruf der Liga für die Vierte Internationale zu internationalen Arbeiteraktionen gegen den völkermörderischen Krieg der USA und Israels gegen die palästinensische Bevölkerung von Gaza würdigten. (Siehe „Griechische Arbeiter blockieren Waffenlieferungen an Israel und die Ukraine“, Permanente Revolution Nr. 7, Oktober-Dezember 2024.)
Ein Jahr später haben die griechischen Behörden nun ein Verfahren gegen Markos Bekris, den Präsidenten der Gewerkschaft der Arbeiter im Containerumschlag (ENEDEP) im Hafen von Piräus, wegen der mutigen Aktion seiner Gewerkschaft eingeleitet. Die Gewerkschaft ist dem Gewerkschaftsverband PAME (Allgemeine Arbeiter-Kampffront) angeschlossen, der der Griechischen Kommunistischen Partei (KKE) nahesteht, und Bekris kandidierte für die KKE bei den Europawahlen. Die Hafenaktion im Oktober 2024 war nicht das erste Mal, dass griechische Hafenarbeiter militärisches Material für die zionistische Mordmaschinerie blockierten. Im Juni des Vorjahres weigerten sie sich, ein für Israel bestimmtes Schiff zu be- noch zu entladen, und im Juli 2025 verweigerten sie die Umladung einer Ladung Militärstahl mit der Begründung, sie würden diese „Todesfracht“ nicht anrühren.1
Die Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis von der rechtsextremen Partei Nea Dimokratia (ND) versucht offensichtlich, an Bekris ein Exempel zu statuieren und der ultra-zionistischen israelischen Regierung einen Gefallen zu tun, die über die Verbreitung der Aktionen von Hafenarbeitern in Marokko, Frankreich, Italien und Griechenland besorgt ist, da diese bereits ihren Kriegsnachschub beeinträchtigen. Dies geschieht kurz nach der Europäischen Hafenarbeiterkonferenz in Genua (Italien) am 26. und 27. September sowie Massenstreiks, die am 22. September und 3. Oktober in Solidarität mit Gaza italienische Häfen, Flughäfen, Bahnstrecken und Autobahnen lahmlegten und damit die „Sicherheits“-Dekrete der faschistisch angeführten Meloni-Regierung missachteten.2
Doch der Versuch, die kämpferischen Hafenarbeiter einzuschüchtern, erfährt einen Rückstoß, denn Solidaritätsbekundungen treffen von Gewerkschaften aus Palästina, Italien, Dänemark und anderen Ländern ein. In Italien wurde für den 28. und 29. November ein landesweiter Massenstreik und eine Massendemonstration in Solidarität mit Gaza ausgerufen. In den Vereinigten Staaten stimmte die Ortsgruppe 10 der International Longshore and Warehouse Union (ILWU) am 20. November für einen Antrag, der die Aktion der griechischen Hafenarbeiter begrüßte und den ENEDEP-Präsidenten Markos Bekris verteidigte. Am 1. Mai 2024 beschloss die Ortsgruppe 10 einstimmig, die Beförderung von Militärgütern nach Israel zu verweigern (als „heiße Fracht“). Dieser Antrag wurde jedoch später von der ILWU-Bürokratie auf dem internationalen Gewerkschaftskongress in Vancouver, Kanada, unterdrückt.
Unter Berufung auf das ILWU-Motto „Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle“ fordert der unten abgedruckte Antrag der Ortsgruppe 10 die ILWU-Führung auf, einen Brief an die griechische Regierung zu senden, indem sie die Einstellung des Verfahrens gegen Bekris fordert.
Verteidigt Markos Bekris, Präsident der griechischen Hafenarbeitergewerkschaft
In Erwägung, dass Markos Bekris, Präsident der griechischen Containerarbeitergewerkschaft ENEDEP, angeklagt wurde für eine Blockade im vergangenen Jahr der Verladung von Containern mit Munition auf ein Schiff, das für den Hafen von Haifa in Israel bestimmt war, und
In Erwägung, dass die Blockade von Militärgütern, die Israels Völkermord in Gaza ermöglichen, kein Verbrechen ist, sondern ein Akt der Solidarität mit dem belagerten palästinensischen Volk, der zu loben ist, und
In Erwägung, dass ENEDEP weiterhin Kriegsmaterial für Israel blockiert, darunter auch, im vergangenen Juli, Lieferungen von militärischem Stahl, und
In Erwägung, dass diese mutige Aktion Hafenarbeiter weltweit inspiriert hat und andere europäische und mediterrane Häfen dem Beispiel der griechischen und italienischen Hafenarbeiter gefolgt sind, und
In Erwägung, dass die Europäische Hafenarbeiterkonferenz im September andere Hafenarbeiter dazu aufgerufen hat, Waffenlieferungen nach Israel als „heiße Fracht” zu betrachten, die nicht umgeschlagen werden darf, und um diejenigen zu verteidigen, die wegen dieser mutigen Aktion verfolgt werden, und
In Erwägung, dass die Strafverfolgung von Markos Bekris eine ernstzunehmende Bedrohung der weltweiten Arbeiterbewegung darstellt, durch Regierungen, die sich dem maritimen Kapital verpflichtet haben,
Wird deshalb beschlossen, dass wir in bester Tradition der ILWU die Aufhebung der Anklage gegen unseren Genossen Markos Bekris fordern und unseren Protest gegenüber der griechischen Regierung zum Ausdruck bringen werden, und
Wird ferner beschlossen, dass die ILWU Local 10 unter unserem Motto „Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle“ einen Solidaritätsbrief an die Hafenarbeitergewerkschaft ENEDEP in Piräus schickt, der unsere Solidarität mit ihrer Aktion erklärt und darauf hinweist, dass unsere Ortsgruppe 10 am 1. Mai 2024 für den Boykott von Militärfracht nach Israel abgestimmt hat, und
Entschließen wir schließlich, dass wir unsere internationalen Funktionäre auffordern, sich mit anderen Hafenarbeitergewerkschaften über gemeinsame Maßnahmen zur Verteidigung von Markos Bekris und der griechischen Hafenarbeitergewerkschaft ENDEP zu beraten. ■
